Bitte aktivieren Sie Javascript in Ihrem Browser.

Seit Jahrzehnten fünf vor zwölf und immer noch kein Ende – Weltklimakonferenz in Cancún


Vom 29. November bis 10. Dezember tagten im mexikanischen Cancún Delegierte aus 194 Ländern, sowie Industrievertreter, Klimaschützer und Wissenschaftler.
Was brachte die diesjährige Weltklimakonferenz ?
Nach der gescheiterten Weltklimakonferenz in Kopenhagen im letzten Jahr, auf der eigentlich ein Nachfolgeabkommen zu dem 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll verabschiedet werden sollte, die dann jedoch zum Desaster wurde, war aller Schwung aus den internationalen Klimaverhandlungen verschwunden.
Komplette Ernüchterung war geblieben und kaum noch Hoffnung, den Klimawandel überhaupt noch eindämmen zu können.
Daran hat sich nicht viel geändert.

Leider fehlten auch dieses Jahr wieder konkrete Beschlüsse, geschweigedenn die Verabschiedung eines verbindlichen neuen Abkommens als Folgabkommen zum Kyoto-Protokoll. Von einem Erfolg kann man kaum sprechen, auch wenn es vielerorts so beschworen wird.
Die freiwilligen Zusagen bezüglich möglicher Kohlendioxidemissionsreduktionen, die die Industrieländer letztes Jahr in Kopenhagen machten, wurden lediglich “zur Kenntnis genommen”. Sie sind rechtlich nicht bindend, wieder einmal nicht.
Die Staatengemeinschaft hat sich lediglich auf Schritte zu einem neuen Klimaabkommen
zur Reduzierung der weltweiten Kohlendioxidemissionen geeinigt und darauf, dass sich alle 194 Staaten anstrengen sollten, den globalen Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen.
Doch wie dies konkret geschehen soll, bleibt offen.
Zwar haben die Unterzeichnerstaaten des Kyoto-Protokolls beschlossen, die Verhandlungen intensiv fortzuführen, damit nach dessen Auslaufen 2012 keine Leerzeit entsteht, doch wie und wann ein solches Folgeabkommen verabschiedet werden soll, wird wieder einmal vertagt auf die nächste Weltklimakonferenz im kommenden Jahr.

So heißt es in der Abschlusserklärung der Konferenz bereits im ersten Satz: “… Nichts in dieser Entscheidung soll die Aussichten auf und den Inhalt eines rechtlich verbindlichen Ergebnisses in der Zukunft vorwegnehmen.” Und im selben Satz heißt es auch: “Durch diesen Beschluss sind noch nicht alle Aspekte der Arbeit abgeschlossen.”
Diese Worte sprechen alleine schon für sich und die mehr als vagen “Beschlüsse”.

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, ist schnelles Handeln geboten. Doch davor scheuen sich die Länder der Welt nach wie vor.
Vertagen und noch einmal vertagen ist die Devise.
Aber der Klimawandel lässt kein Vertagen zu.
Wir können es uns nicht leisten, noch weiter zu warten, bis wir das Problem ernsthaft angehen.
Sollte es bei den vagen “Beschlüssen” von Cancún bleiben, wird die globale Temperatur um weitaus mehr als nur zwei Grad ansteigen.
Doch dies ist die Grenze, bis zu der man glaubt – sowie auch die Forschergemeinschaft insgesamt -, unumkehrbare Konsequenzen des Klimawandels noch vermeiden zu können.

Wenn wir einfach abwarten, bis uns die Klimakrise zur Veränderung zwingt, dann müssen wir uns auf das Schlimmste vorbereiten.
Dann werden wir einfach nur noch auf eine Krise nach der anderen reagieren können, bis es unweigerlich zur Katastrophe kommt, ohne dass wir noch effektiv gegensteuern können.
Können wir den Wettlauf gegen die Zeit überhaupt noch gewinnen?

So sind die Worte des bolivianischen UN-Botschafters Pablo Solón auf dem Klimagipfel, dessen Land als Einziges das Ergebnis des Gipfels nicht akzeptiert hat, nicht von der Hand zu weisen.
Die Beschlüsse von Cancún würden nicht ausreichen, sondern sie würden dazu führen, dass sich die Erde nicht nur um zwei, sondern um vier Grad erwärme. Das sei “Völkermord”, ein sog. “Ökozid”, ein Wort, das der Präsident Boliviens Evo Morales geprägt hatte.

[Blogbeitrag von A. Ewers]